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Ganztag braucht Raum

29. Juni 2026

Sara Heinrich

Ganztag im Klassenraum

Moderner heller Raum mit verschiedenen Produkten von EinrichtWerk ausgestattet


Ab dem Schuljahr 2026/27 tritt der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder schrittweise in Kraft. Das Ganztagsförderungsgesetz GaFöG verankert eine Betreuung von bis zu acht Stunden täglich im Sozialgesetzbuch und markiert einen Wendepunkt für Schulen in ganz Deutschland. Schule ist damit nicht mehr nur Vormittagsunterricht, sondern ein ganztägiger Lern- und Lebensort. Vor diesem Hintergrund rückt eine zentrale Frage in den Fokus: Wie müssen Schulräume gestaltet sein, damit ganztägige Bildung qualitativ gelingt – insbesondere in bestehenden Gebäuden?

Moderner heller Raum mit verschiedenen Produkten von EinrichtWerk ausgestattet


Ab dem Schuljahr 2026/27 tritt der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder schrittweise in Kraft. Das Ganztagsförderungsgesetz GaFöG verankert eine Betreuung von bis zu acht Stunden täglich im Sozialgesetzbuch und markiert einen Wendepunkt für Schulen in ganz Deutschland. Schule ist damit nicht mehr nur Vormittagsunterricht, sondern ein ganztägiger Lern- und Lebensort. Vor diesem Hintergrund rückt eine zentrale Frage in den Fokus: Wie müssen Schulräume gestaltet sein, damit ganztägige Bildung qualitativ gelingt – insbesondere in bestehenden Gebäuden?


Viele Schulgebäude sind als Halbtagsschulen konzipiert, mit klar getrennten Klassenräumen, Fluren und Fachräumen. Im Ganztag verschmelzen Unterricht, Betreuung und Freizeit jedoch zu einem längeren Tagesrhythmus, der andere räumliche Qualitäten erfordert. Länder und Kommunen stehen dabei vor einer doppelten Herausforderung: ausreichend Plätze bereitstellen und zugleich qualitativ tragfähige Rahmenbedingungen schaffen – räumlich wie pädagogisch.

Entscheidend ist dabei, diese Potenziale vor allem im Bestand zu heben, ohne flächendeckend neu zu bauen. Genau hier setzt das Projekt „Ganztag und Raum" der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft an: In Pilotprojekten entwickeln Schulen gemeinsam mit Expertinnen und Experten Konzepte, wie ganztägige Bildung auch ohne großmaßstäbliche Neubaumaßnahmen gelingt.

Vom Vormittagslernen zum ganztägigen Lebensraum

Schule im Ganztag ist mehr als verlängerte Unterrichtszeit. Sie ist ein sozialer und pädagogischer Lebensraum, in dem Kinder lernen, spielen, essen, sich ausruhen und Beziehungen gestalten. Klassenräume werden am Nachmittag zu Spiel-, Projekt- oder Betreuungsräumen, Flure zu Begegnungszonen, Fachräume wie Bibliotheken unterstützen sowohl strukturiertes Lernen als auch freie Arbeit.

Diese doppelte Raumnutzung erfordert eine enge Abstimmung zwischen Lehrkräften und pädagogischem Betreuungspersonal. Für Kinder entsteht dadurch Orientierung und Sicherheit – sie wissen, wo sich Materialien befinden und wofür Räume genutzt werden.


„Räume sind für uns nicht mehr bloß Orte, in denen Lernen stattfindet – sie strukturieren, prägen und begleiten unseren pädagogischen Alltag aktiv mit."

— Michelle Wothe, Lehrerin, Berlin
Kind sitzt lächelnd mit einem Buch in einer Sitznische des Kojenregals

3 Faktoren, auf die es ankommt


1. Multifunktionale Räume und Möbel

Besonders in Bestandsgebäuden spielt die Mehrfachnutzung eine Schlüsselrolle. Flexible Möbel ermöglichen es Lehrkräften, Lernsettings schnell zu verändern – vom Frontalunterricht zur Kleingruppenarbeit, vom Lernraum zum Spielbereich.

Ausschlaggebend ist dabei nicht eine maximale Ausstattung, sondern bewusste Reduktion auf das Wesentliche. Ein Klassenraum kann mehrere Funktionen übernehmen, wenn er nicht dauerhaft für eine einzige Nutzung festgeschrieben ist – und macht zusätzliche Räume damit oft überflüssig.



2. Rückzugs- und Differenzierungsorte

Je länger der Schultag dauert, desto wichtiger werden Räume, in denen Kinder zur Ruhe kommen können. Rückzugsräume sind kein Luxus, sondern eine pädagogische Notwendigkeit – besonders für jüngere und neurodiverse Kinder, die Stressregulation und Selbststeuerung aktiv üben müssen.

Solche Orte müssen nicht groß sein: Nischen, abgetrennte Bereiche im Klassenraum oder bewusst gestaltete Zonen in Fluren reichen oft aus. Entscheidend ist, dass sie verlässlich nutzbar sind und nicht ständig umfunktioniert werden.



3. Aufenthaltsqualität – drinnen und draußen

Aufenthaltsqualität entsteht nicht durch aufwendige Ausstattung, sondern durch bewusste Gestaltung: Licht, Akustik, übersichtliche Räume und klare Zonen für Aktivität und Ruhe beeinflussen, ob Kinder eine Schule als einladend wahrnehmen.

Schulhöfe, Freiflächen und außerschulische Lernorte wie Bibliotheken oder Sportstätten können den Ganztag sinnvoll erweitern – wenn Schulen Innen- und Außenräume zusammendenken. Gute Ganztagsräume müssen nicht neu gebaut werden. Die Qualität entscheidet sich weniger an Quadratmetern als an Haltung, Planung und Gestaltung.


Moderner heller Raum mit Loungeelementen  und Tischen von EinrichtWerk

Schule gemeinsam planen: Partizipation als Schlüssel


Ganztagsentwicklung braucht mehr als bauliche Maßnahmen – sie braucht Partizipation. Schulträger, Architektinnen und Architekten, Schulleitungen, Lehrkräfte, pädagogisches Personal, Eltern und Schülerinnen und Schüler bringen unterschiedliche Perspektiven ein. Erst im Dialog wird sichtbar, welche Anforderungen Räume erfüllen müssen.

Besonders wichtig ist die Beteiligung der Kinder. Sie wissen, wo sie sich wohlfühlen, wo Rückzug möglich sein sollte und welche Orte im Alltag fehlen. Partizipation stärkt Identifikation, verhindert Fehlplanungen und sorgt dafür, dass Schulen Räume langfristig sinnvoll nutzen.



Fazit: Der Rechtsanspruch als Gestaltungsauftrag


Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ist mehr als eine organisatorische Vorgabe. Er ist ein Auftrag, Schule neu zu denken – als Ort, der dem ganzen Tag gerecht wird. Dafür braucht es keine neuen Gebäude, sondern neue Perspektiven auf bestehende Räume.

Gute Ganztagsräume entstehen nicht durch mehr Quadratmeter, sondern durch gute Planung, die richtigen Möbel – und den Mut, Schule wirklich als Lebensraum zu gestalten.



Sara Heinrich ist Referentin der Geschäftsführung und Marketingleitung bei EinrichtWerk. Das Unternehmen entwickelt flexible Möbel und Ausstattungssysteme für Schulen, Universitäten und Erwachsenenbildung.

Dieser Beitrag erschien zuerst als Gastbeitrag im didacta magazin 1/2026.


Viele Schulgebäude sind als Halbtagsschulen konzipiert, mit klar getrennten Klassenräumen, Fluren und Fachräumen. Im Ganztag verschmelzen Unterricht, Betreuung und Freizeit jedoch zu einem längeren Tagesrhythmus, der andere räumliche Qualitäten erfordert. Länder und Kommunen stehen dabei vor einer doppelten Herausforderung: ausreichend Plätze bereitstellen und zugleich qualitativ tragfähige Rahmenbedingungen schaffen – räumlich wie pädagogisch.

Entscheidend ist dabei, diese Potenziale vor allem im Bestand zu heben, ohne flächendeckend neu zu bauen. Genau hier setzt das Projekt „Ganztag und Raum" der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft an: In Pilotprojekten entwickeln Schulen gemeinsam mit Expertinnen und Experten Konzepte, wie ganztägige Bildung auch ohne großmaßstäbliche Neubaumaßnahmen gelingt.

Vom Vormittagslernen zum ganztägigen Lebensraum

Schule im Ganztag ist mehr als verlängerte Unterrichtszeit. Sie ist ein sozialer und pädagogischer Lebensraum, in dem Kinder lernen, spielen, essen, sich ausruhen und Beziehungen gestalten. Klassenräume werden am Nachmittag zu Spiel-, Projekt- oder Betreuungsräumen, Flure zu Begegnungszonen, Fachräume wie Bibliotheken unterstützen sowohl strukturiertes Lernen als auch freie Arbeit.

Diese doppelte Raumnutzung erfordert eine enge Abstimmung zwischen Lehrkräften und pädagogischem Betreuungspersonal. Für Kinder entsteht dadurch Orientierung und Sicherheit – sie wissen, wo sich Materialien befinden und wofür Räume genutzt werden.


„Räume sind für uns nicht mehr bloß Orte, in denen Lernen stattfindet – sie strukturieren, prägen und begleiten unseren pädagogischen Alltag aktiv mit."

— Michelle Wothe, Lehrerin, Berlin
Kind sitzt lächelnd mit einem Buch in einer Sitznische des Kojenregals

3 Faktoren, auf die es ankommt


1. Multifunktionale Räume und Möbel

Besonders in Bestandsgebäuden spielt die Mehrfachnutzung eine Schlüsselrolle. Flexible Möbel ermöglichen es Lehrkräften, Lernsettings schnell zu verändern – vom Frontalunterricht zur Kleingruppenarbeit, vom Lernraum zum Spielbereich.

Ausschlaggebend ist dabei nicht eine maximale Ausstattung, sondern bewusste Reduktion auf das Wesentliche. Ein Klassenraum kann mehrere Funktionen übernehmen, wenn er nicht dauerhaft für eine einzige Nutzung festgeschrieben ist – und macht zusätzliche Räume damit oft überflüssig.



2. Rückzugs- und Differenzierungsorte

Je länger der Schultag dauert, desto wichtiger werden Räume, in denen Kinder zur Ruhe kommen können. Rückzugsräume sind kein Luxus, sondern eine pädagogische Notwendigkeit – besonders für jüngere und neurodiverse Kinder, die Stressregulation und Selbststeuerung aktiv üben müssen.

Solche Orte müssen nicht groß sein: Nischen, abgetrennte Bereiche im Klassenraum oder bewusst gestaltete Zonen in Fluren reichen oft aus. Entscheidend ist, dass sie verlässlich nutzbar sind und nicht ständig umfunktioniert werden.



3. Aufenthaltsqualität – drinnen und draußen

Aufenthaltsqualität entsteht nicht durch aufwendige Ausstattung, sondern durch bewusste Gestaltung: Licht, Akustik, übersichtliche Räume und klare Zonen für Aktivität und Ruhe beeinflussen, ob Kinder eine Schule als einladend wahrnehmen.

Schulhöfe, Freiflächen und außerschulische Lernorte wie Bibliotheken oder Sportstätten können den Ganztag sinnvoll erweitern – wenn Schulen Innen- und Außenräume zusammendenken. Gute Ganztagsräume müssen nicht neu gebaut werden. Die Qualität entscheidet sich weniger an Quadratmetern als an Haltung, Planung und Gestaltung.


3 Faktoren, auf die es ankommt


1. Multifunktionale Räume und Möbel

Besonders in Bestandsgebäuden spielt die Mehrfachnutzung eine Schlüsselrolle. Flexible Möbel ermöglichen es Lehrkräften, Lernsettings schnell zu verändern – vom Frontalunterricht zur Kleingruppenarbeit, vom Lernraum zum Spielbereich.

Ausschlaggebend ist dabei nicht eine maximale Ausstattung, sondern bewusste Reduktion auf das Wesentliche. Ein Klassenraum kann mehrere Funktionen übernehmen, wenn er nicht dauerhaft für eine einzige Nutzung festgeschrieben ist – und macht zusätzliche Räume damit oft überflüssig.



2. Rückzugs- und Differenzierungsorte

Je länger der Schultag dauert, desto wichtiger werden Räume, in denen Kinder zur Ruhe kommen können. Rückzugsräume sind kein Luxus, sondern eine pädagogische Notwendigkeit – besonders für jüngere und neurodiverse Kinder, die Stressregulation und Selbststeuerung aktiv üben müssen.

Solche Orte müssen nicht groß sein: Nischen, abgetrennte Bereiche im Klassenraum oder bewusst gestaltete Zonen in Fluren reichen oft aus. Entscheidend ist, dass sie verlässlich nutzbar sind und nicht ständig umfunktioniert werden.



3. Aufenthaltsqualität – drinnen und draußen

Aufenthaltsqualität entsteht nicht durch aufwendige Ausstattung, sondern durch bewusste Gestaltung: Licht, Akustik, übersichtliche Räume und klare Zonen für Aktivität und Ruhe beeinflussen, ob Kinder eine Schule als einladend wahrnehmen.

Schulhöfe, Freiflächen und außerschulische Lernorte wie Bibliotheken oder Sportstätten können den Ganztag sinnvoll erweitern – wenn Schulen Innen- und Außenräume zusammendenken. Gute Ganztagsräume müssen nicht neu gebaut werden. Die Qualität entscheidet sich weniger an Quadratmetern als an Haltung, Planung und Gestaltung.


Moderner heller Raum mit Loungeelementen  und Tischen von EinrichtWerk

Schule gemeinsam planen: Partizipation als Schlüssel


Ganztagsentwicklung braucht mehr als bauliche Maßnahmen – sie braucht Partizipation. Schulträger, Architektinnen und Architekten, Schulleitungen, Lehrkräfte, pädagogisches Personal, Eltern und Schülerinnen und Schüler bringen unterschiedliche Perspektiven ein. Erst im Dialog wird sichtbar, welche Anforderungen Räume erfüllen müssen.

Besonders wichtig ist die Beteiligung der Kinder. Sie wissen, wo sie sich wohlfühlen, wo Rückzug möglich sein sollte und welche Orte im Alltag fehlen. Partizipation stärkt Identifikation, verhindert Fehlplanungen und sorgt dafür, dass Schulen Räume langfristig sinnvoll nutzen.

Fazit: Der Rechtsanspruch als Gestaltungsauftrag


Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ist mehr als eine organisatorische Vorgabe. Er ist ein Auftrag, Schule neu zu denken – als Ort, der dem ganzen Tag gerecht wird. Dafür braucht es keine neuen Gebäude, sondern neue Perspektiven auf bestehende Räume.

Gute Ganztagsräume entstehen nicht durch mehr Quadratmeter, sondern durch gute Planung, die richtigen Möbel – und den Mut, Schule wirklich als Lebensraum zu gestalten.



Sara Heinrich ist Referentin der Geschäftsführung und Marketingleitung bei EinrichtWerk. Das Unternehmen entwickelt flexible Möbel und Ausstattungssysteme für Schulen, Universitäten und Erwachsenenbildung.

Dieser Beitrag erschien zuerst als Gastbeitrag im didacta magazin 1/2026.

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