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Rückzugsorte im langen Schulalltag

30. Juli 2026

Sara Heinrich

Rückzug im Schulalltag

Warum Ruhe zur Pflichtausstattung wird

Ab dem Schuljahr 2026/27 gilt schrittweise der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder. Bis zum Schuljahr 2029/30 wird er auf alle Klassenstufen 1 bis 4 ausgeweitet. Für viele Kinder bedeutet das: Sie verbringen künftig bis zu acht Stunden täglich in der Schule – mit Unterricht, Mittagessen, Freizeitangeboten und Hausaufgaben. Die Schule wird damit endgültig zum Lebensraum.

Mit dieser Entwicklung wächst auch die Verantwortung, Lernumgebungen so zu gestalten, dass sie den Bedürfnissen von Kindern gerecht werden. Denn wer einen Großteil seines Tages in der Schule verbringt, braucht nicht nur Orte zum Lernen und Begegnen, sondern auch Möglichkeiten, sich zwischendurch zurückzuziehen. Rückzugsorte sind deshalb kein Komfortmerkmal, sondern eine pädagogische Notwendigkeit.


Ganztag braucht mehr als zusätzliche Räume

Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung stellt Schulen vor große organisatorische und bauliche Herausforderungen. Nach Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft fehlen allein in Westdeutschland noch rund 150.000 Betreuungsplätze. Viele Schulen müssen ihre vorhandenen Flächen deshalb neu denken und bestehende Räume multifunktional nutzen. Die Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (StEG) zeigt, dass der Erfolg von Ganztagsschulen maßgeblich von der Qualität ihrer Angebote abhängt. Dazu gehören neben pädagogischen Konzepten auch die Rahmenbedingungen, unter denen Lernen stattfindet. Die Gestaltung der Lernumgebung wird wiederum durch andere Forschungsarbeiten, etwa das HEAD-Projekt, untersucht.


Warum Kinder Rückzugsorte brauchen

Ein Schultag besteht aus weit mehr als Unterricht. Kinder hören zu, diskutieren, arbeiten in Gruppen, bewegen sich, essen gemeinsam und verarbeiten dabei unzählige Sinneseindrücke. Gespräche, Geräusche, Bewegungen und soziale Interaktionen begleiten sie über viele Stunden hinweg. Gerade jüngere Kinder verfügen jedoch noch nicht über dieselben Strategien zur Reizverarbeitung wie Erwachsene.

Dass diese Belastung nicht unterschätzt werden sollte, zeigt auch die Forschung zur Klassenraumakustik. Klassenräume erreichen regelmäßig Lärmpegel, die weit über den für konzentriertes Arbeiten empfohlenen Werten liegen. Lehrkräfte zählen Lärm seit Jahren zu den größten Belastungsfaktoren ihres Berufs. Gleichzeitig weist die Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Maria Klatte darauf hin, dass eine schlechte Akustik das Sprachverstehen erschwert – insbesondere bei jüngeren Kindern, Kindern mit Konzentrationsschwierigkeiten oder einer anderen Erstsprache.

Ruhe ist deshalb weit mehr als eine angenehme Begleiterscheinung. Sie schafft die Voraussetzung dafür, Informationen zu verarbeiten, sich zu konzentrieren und anschließend wieder aktiv am Unterricht teilzunehmen.

Auch die Umweltpsychologie liefert hierfür eine Erklärung. Die Attention Restoration Theory von Rachel und Stephen Kaplan beschreibt Aufmerksamkeit als begrenzte Ressource. Nach Phasen hoher Konzentration benötigt das Gehirn reizärmere Umgebungen, um sich zu erholen. Für den Schulalltag bedeutet das: Schon kurze Aufenthalte in einer ruhigen, geschützten Umgebung können helfen, die Konzentrationsfähigkeit wiederherzustellen.

Gute Räume fördern gutes Lernen

Dass die Gestaltung von Lernräumen einen messbaren Einfluss auf den Lernerfolg hat, belegt unter anderem das internationale HEAD-Projekt (Holistic Evidence and Design) der University of Salford. Die Forschenden begleiteten mehr als 3.700 Grundschulkinder über ein Schuljahr und kamen zu dem Ergebnis, dass die Qualität der räumlichen Umgebung einen erheblichen Anteil am Lernfortschritt hat. Zu den wichtigsten Einflussfaktoren gehörten Tageslicht, Temperatur, Luftqualität, Farbgestaltung, angemessene visuelle Reize sowie Möglichkeiten zur Individualisierung und flexiblen Nutzung des Klassenraums.

Auch in Deutschland gewinnt das Thema pädagogische Architektur zunehmend an Bedeutung. Die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage, wie Schulräume gestaltet werden müssen, damit sie ganztägiges Lernen unterstützen. Im Mittelpunkt steht dabei nicht das einzelne Möbelstück, sondern die Erkenntnis, dass Räume pädagogische Konzepte unterstützen oder erschweren können.

Darüber hinaus profitieren nicht alle Kinder von denselben Lernumgebungen. Entwicklungspsychologische Forschung zeigt, dass Kinder Reize unterschiedlich intensiv wahrnehmen. Der Entwicklungspsychologe Prof. Dr. Michael Pluess plädiert für Lernumgebungen, die unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigen und Kindern Wahlmöglichkeiten bieten. Dazu können auch Rückzugsmöglichkeiten innerhalb des Klassenraums gehören, ohne Kinder aus der Gemeinschaft auszuschließen. Ähnliche Empfehlungen finden sich auch in der sonderpädagogischen Praxis, etwa für Kinder mit ADHS oder aus dem Autismus-Spektrum.

Das Kojenregal schafft geschützte Sitznischen zum Lesen, Entspannen oder für ruhige Einzelarbeit – mitten im Klassenraum.

Rückzug bedeutet nicht Ausgrenzung

Wenn von Rückzugsorten die Rede ist, denken viele zunächst an separate Ruheräume. Im Schulalltag sind jedoch häufig deutlich einfachere Lösungen gefragt. Oft genügt ein geschützter Bereich innerhalb des Klassenraums, in dem Kinder lesen, konzentriert arbeiten oder für einige Minuten zur Ruhe kommen können. Solche Bereiche fördern die Selbstregulation – also die Fähigkeit, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und angemessen darauf zu reagieren. Die OECD zählt Selbstregulation zu den wichtigsten sozial-emotionalen Kompetenzen für Bildungserfolg und Wohlbefinden. Gleichzeitig profitieren auch Lehrkräfte und Lerngruppen: Kinder, die sich bei Bedarf kurz zurückziehen können, kehren häufig ausgeglichener und konzentrierter in den Unterricht zurück.


Wie ein guter Rückzugsort aussieht

Ein Rückzugsort braucht kein eigenes Zimmer. Oft reichen wenige Quadratmeter, wenn sie bewusst gestaltet werden. Eine leichte räumliche Abschirmung, angenehme Materialien, reduzierte Reize und eine klare Funktion helfen Kindern dabei, den Bereich intuitiv als Ort der Ruhe wahrzunehmen. Ebenso wichtig ist, dass diese Bereiche dauerhaft verfügbar bleiben und nicht regelmäßig für andere Zwecke genutzt werden. Gerade im Ganztag gewinnen deshalb multifunktionale Möbel an Bedeutung. Sie schaffen zusätzliche Nutzungsbereiche, ohne wertvolle Fläche zu beanspruchen, und lassen sich flexibel an unterschiedliche Unterrichtssituationen anpassen.

Vier Möglichkeiten, Rückzug im Schulalltag zu verankern

Das Kojenregal – Rückzug, Stauraum und Zonierung in einem

Das Kojenregal schafft geschützte Sitznischen zum Lesen, Entspannen oder für ruhige Einzelarbeit – mitten im Klassenraum. Gleichzeitig bietet es großzügigen Stauraum und kann als Raumtrenner eingesetzt werden. So entstehen unterschiedliche Funktionsbereiche, ohne zusätzliche Fläche zu benötigen.



Fünfeck-Matten – flexible Ruheinseln

Nicht jedes Kind arbeitet am Tisch am besten. Die Fünfeck-Matten schaffen bodennahe Bereiche zum Lesen, Entspannen oder konzentrierten Arbeiten. Sie lassen sich flexibel anordnen und bei Bedarf platzsparend verstauen.



Fünfeck-Lounge – zwischen Austausch und Rückzug

Die modulare Fünfeck-Lounge ermöglicht kleine Zonen für vertrauliche Gespräche, Partnerarbeit oder kurze Erholungspausen. Sie schafft fließende Übergänge zwischen Gemeinschaft und Rückzug und lässt sich immer wieder neu konfigurieren.



Mobile Sitztreppe – zwei Funktionen in einem Möbel

Während die Vorderseite als Treffpunkt für gemeinsame Lernphasen dient, bietet die Rückseite einen geschützten Bereich zum Lesen, Ausruhen oder konzentrierten Arbeiten. So verbindet die mobile Sitztreppe gemeinschaftliches Lernen und individuelle Rückzugsmöglichkeiten in einem einzigen Möbel.



Fazit: Ganztag braucht Räume zum Durchatmen

Mit dem Ganztagsausbau verändert sich die Schule grundlegend. Sie ist längst nicht mehr nur Unterrichtsort, sondern Lebensraum. Gute Ganztagsschulen brauchen deshalb Räume, die unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden: Orte für Austausch und Zusammenarbeit ebenso wie Bereiche für Ruhe und Konzentration. Die Forschung zeigt deutlich, dass die Gestaltung der Lernumgebung Einfluss auf Lernfortschritt, Wohlbefinden und Stressbelastung hat. Rückzugsorte sind deshalb kein Zusatzangebot, sondern ein wichtiger Bestandteil zeitgemäßer Schulraumgestaltung. Wer heute Klassenräume plant oder weiterentwickelt, sollte nicht nur fragen, wo Kinder lernen, sondern auch, wo sie zwischendurch neue Kraft schöpfen können.



Ganztag braucht mehr als zusätzliche Räume

Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung stellt Schulen vor große organisatorische und bauliche Herausforderungen. Nach Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft fehlen allein in Westdeutschland noch rund 150.000 Betreuungsplätze. Viele Schulen müssen ihre vorhandenen Flächen deshalb neu denken und bestehende Räume multifunktional nutzen. Die Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (StEG) zeigt, dass der Erfolg von Ganztagsschulen maßgeblich von der Qualität ihrer Angebote abhängt. Dazu gehören neben pädagogischen Konzepten auch die Rahmenbedingungen, unter denen Lernen stattfindet. Die Gestaltung der Lernumgebung wird wiederum durch andere Forschungsarbeiten, etwa das HEAD-Projekt, untersucht.


Warum Kinder Rückzugsorte brauchen

Ein Schultag besteht aus weit mehr als Unterricht. Kinder hören zu, diskutieren, arbeiten in Gruppen, bewegen sich, essen gemeinsam und verarbeiten dabei unzählige Sinneseindrücke. Gespräche, Geräusche, Bewegungen und soziale Interaktionen begleiten sie über viele Stunden hinweg. Gerade jüngere Kinder verfügen jedoch noch nicht über dieselben Strategien zur Reizverarbeitung wie Erwachsene.

Dass diese Belastung nicht unterschätzt werden sollte, zeigt auch die Forschung zur Klassenraumakustik. Klassenräume erreichen regelmäßig Lärmpegel, die weit über den für konzentriertes Arbeiten empfohlenen Werten liegen. Lehrkräfte zählen Lärm seit Jahren zu den größten Belastungsfaktoren ihres Berufs. Gleichzeitig weist die Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Maria Klatte darauf hin, dass eine schlechte Akustik das Sprachverstehen erschwert – insbesondere bei jüngeren Kindern, Kindern mit Konzentrationsschwierigkeiten oder einer anderen Erstsprache.

Ruhe ist deshalb weit mehr als eine angenehme Begleiterscheinung. Sie schafft die Voraussetzung dafür, Informationen zu verarbeiten, sich zu konzentrieren und anschließend wieder aktiv am Unterricht teilzunehmen.

Auch die Umweltpsychologie liefert hierfür eine Erklärung. Die Attention Restoration Theory von Rachel und Stephen Kaplan beschreibt Aufmerksamkeit als begrenzte Ressource. Nach Phasen hoher Konzentration benötigt das Gehirn reizärmere Umgebungen, um sich zu erholen. Für den Schulalltag bedeutet das: Schon kurze Aufenthalte in einer ruhigen, geschützten Umgebung können helfen, die Konzentrationsfähigkeit wiederherzustellen.

Gute Räume fördern gutes Lernen

Dass die Gestaltung von Lernräumen einen messbaren Einfluss auf den Lernerfolg hat, belegt unter anderem das internationale HEAD-Projekt (Holistic Evidence and Design) der University of Salford. Die Forschenden begleiteten mehr als 3.700 Grundschulkinder über ein Schuljahr und kamen zu dem Ergebnis, dass die Qualität der räumlichen Umgebung einen erheblichen Anteil am Lernfortschritt hat. Zu den wichtigsten Einflussfaktoren gehörten Tageslicht, Temperatur, Luftqualität, Farbgestaltung, angemessene visuelle Reize sowie Möglichkeiten zur Individualisierung und flexiblen Nutzung des Klassenraums.

Auch in Deutschland gewinnt das Thema pädagogische Architektur zunehmend an Bedeutung. Die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage, wie Schulräume gestaltet werden müssen, damit sie ganztägiges Lernen unterstützen. Im Mittelpunkt steht dabei nicht das einzelne Möbelstück, sondern die Erkenntnis, dass Räume pädagogische Konzepte unterstützen oder erschweren können.

Darüber hinaus profitieren nicht alle Kinder von denselben Lernumgebungen. Entwicklungspsychologische Forschung zeigt, dass Kinder Reize unterschiedlich intensiv wahrnehmen. Der Entwicklungspsychologe Prof. Dr. Michael Pluess plädiert für Lernumgebungen, die unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigen und Kindern Wahlmöglichkeiten bieten. Dazu können auch Rückzugsmöglichkeiten innerhalb des Klassenraums gehören, ohne Kinder aus der Gemeinschaft auszuschließen. Ähnliche Empfehlungen finden sich auch in der sonderpädagogischen Praxis, etwa für Kinder mit ADHS oder aus dem Autismus-Spektrum.

Das Kojenregal schafft geschützte Sitznischen zum Lesen, Entspannen oder für ruhige Einzelarbeit – mitten im Klassenraum.


Rückzug bedeutet nicht Ausgrenzung

Wenn von Rückzugsorten die Rede ist, denken viele zunächst an separate Ruheräume. Im Schulalltag sind jedoch häufig deutlich einfachere Lösungen gefragt. Oft genügt ein geschützter Bereich innerhalb des Klassenraums, in dem Kinder lesen, konzentriert arbeiten oder für einige Minuten zur Ruhe kommen können. Solche Bereiche fördern die Selbstregulation – also die Fähigkeit, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und angemessen darauf zu reagieren. Die OECD zählt Selbstregulation zu den wichtigsten sozial-emotionalen Kompetenzen für Bildungserfolg und Wohlbefinden. Gleichzeitig profitieren auch Lehrkräfte und Lerngruppen: Kinder, die sich bei Bedarf kurz zurückziehen können, kehren häufig ausgeglichener und konzentrierter in den Unterricht zurück.


Wie ein guter Rückzugsort aussieht

Ein Rückzugsort braucht kein eigenes Zimmer. Oft reichen wenige Quadratmeter, wenn sie bewusst gestaltet werden. Eine leichte räumliche Abschirmung, angenehme Materialien, reduzierte Reize und eine klare Funktion helfen Kindern dabei, den Bereich intuitiv als Ort der Ruhe wahrzunehmen. Ebenso wichtig ist, dass diese Bereiche dauerhaft verfügbar bleiben und nicht regelmäßig für andere Zwecke genutzt werden. Gerade im Ganztag gewinnen deshalb multifunktionale Möbel an Bedeutung. Sie schaffen zusätzliche Nutzungsbereiche, ohne wertvolle Fläche zu beanspruchen, und lassen sich flexibel an unterschiedliche Unterrichtssituationen anpassen.

Vier Möglichkeiten, Rückzug im Schulalltag zu verankern


Das Kojenregal – Rückzug, Stauraum und Zonierung in einem

Das Kojenregal schafft geschützte Sitznischen zum Lesen, Entspannen oder für ruhige Einzelarbeit – mitten im Klassenraum. Gleichzeitig bietet es großzügigen Stauraum und kann als Raumtrenner eingesetzt werden. So entstehen unterschiedliche Funktionsbereiche, ohne zusätzliche Fläche zu benötigen.

Fünfeck-Matten – flexible Ruheinseln

Nicht jedes Kind arbeitet am Tisch am besten. Die Fünfeck-Matten schaffen bodennahe Bereiche zum Lesen, Entspannen oder konzentrierten Arbeiten. Sie lassen sich flexibel anordnen und bei Bedarf platzsparend verstauen.

Fünfeck-Lounge – zwischen Austausch und Rückzug

Die modulare Fünfeck-Lounge ermöglicht kleine Zonen für vertrauliche Gespräche, Partnerarbeit oder kurze Erholungspausen. Sie schafft fließende Übergänge zwischen Gemeinschaft und Rückzug und lässt sich immer wieder neu konfigurieren.

Mobile Sitztreppe – zwei Funktionen in einem Möbel

Während die Vorderseite als Treffpunkt für gemeinsame Lernphasen dient, bietet die Rückseite einen geschützten Bereich zum Lesen, Ausruhen oder konzentrierten Arbeiten. So verbindet die mobile Sitztreppe gemeinschaftliches Lernen und individuelle Rückzugsmöglichkeiten in einem einzigen Möbel.

Fazit: Ganztag braucht Räume zum Durchatmen

Mit dem Ganztagsausbau verändert sich die Schule grundlegend. Sie ist längst nicht mehr nur Unterrichtsort, sondern Lebensraum. Gute Ganztagsschulen brauchen deshalb Räume, die unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden: Orte für Austausch und Zusammenarbeit ebenso wie Bereiche für Ruhe und Konzentration. Die Forschung zeigt deutlich, dass die Gestaltung der Lernumgebung Einfluss auf Lernfortschritt, Wohlbefinden und Stressbelastung hat. Rückzugsorte sind deshalb kein Zusatzangebot, sondern ein wichtiger Bestandteil zeitgemäßer Schulraumgestaltung. Wer heute Klassenräume plant oder weiterentwickelt, sollte nicht nur fragen, wo Kinder lernen, sondern auch, wo sie zwischendurch neue Kraft schöpfen können.

3 Faktoren, auf die es ankommt


1. Multifunktionale Räume und Möbel

Besonders in Bestandsgebäuden spielt die Mehrfachnutzung eine Schlüsselrolle. Flexible Möbel ermöglichen es Lehrkräften, Lernsettings schnell zu verändern – vom Frontalunterricht zur Kleingruppenarbeit, vom Lernraum zum Spielbereich.

Ausschlaggebend ist dabei nicht eine maximale Ausstattung, sondern bewusste Reduktion auf das Wesentliche. Ein Klassenraum kann mehrere Funktionen übernehmen, wenn er nicht dauerhaft für eine einzige Nutzung festgeschrieben ist – und macht zusätzliche Räume damit oft überflüssig.



2. Rückzugs- und Differenzierungsorte

Je länger der Schultag dauert, desto wichtiger werden Räume, in denen Kinder zur Ruhe kommen können. Rückzugsräume sind kein Luxus, sondern eine pädagogische Notwendigkeit – besonders für jüngere und neurodiverse Kinder, die Stressregulation und Selbststeuerung aktiv üben müssen.

Solche Orte müssen nicht groß sein: Nischen, abgetrennte Bereiche im Klassenraum oder bewusst gestaltete Zonen in Fluren reichen oft aus. Entscheidend ist, dass sie verlässlich nutzbar sind und nicht ständig umfunktioniert werden.



3. Aufenthaltsqualität – drinnen und draußen

Aufenthaltsqualität entsteht nicht durch aufwendige Ausstattung, sondern durch bewusste Gestaltung: Licht, Akustik, übersichtliche Räume und klare Zonen für Aktivität und Ruhe beeinflussen, ob Kinder eine Schule als einladend wahrnehmen.

Schulhöfe, Freiflächen und außerschulische Lernorte wie Bibliotheken oder Sportstätten können den Ganztag sinnvoll erweitern – wenn Schulen Innen- und Außenräume zusammendenken. Gute Ganztagsräume müssen nicht neu gebaut werden. Die Qualität entscheidet sich weniger an Quadratmetern als an Haltung, Planung und Gestaltung.


Moderner heller Raum mit Loungeelementen  und Tischen von EinrichtWerk
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