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Startchancen-Programm: Wie kann eine Förderklasse aussehen?

15. September 2026

Startchancen

Startchancen: Was Säule I für die Gestaltung von Lernräumen konkret möglich macht

Flexible Möbel, unterschiedliche Lernsettings, Rückzug und klare Raumstrukturen: Die Verwaltungsvereinbarung zum Startchancen-Programm wird bei der Gestaltung von Lernumgebungen erstaunlich konkret. Für Schulen ergibt sich daraus eine wichtige Chance: Investitionsmittel aus Säule I nicht einfach für neue Ausstattung einzusetzen, sondern Räume so weiterzuentwickeln, dass sie den Schulalltag tatsächlich besser unterstützen.

Mit dieser Entwicklung wächst auch die Verantwortung, Lernumgebungen so zu gestalten, dass sie den Bedürfnissen von Kindern gerecht werden. Denn wer einen Großteil seines Tages in der Schule verbringt, braucht nicht nur Orte zum Lernen und Begegnen, sondern auch Möglichkeiten, sich zwischendurch zurückzuziehen. Rückzugsorte sind deshalb kein Komfortmerkmal, sondern eine pädagogische Notwendigkeit.


Kurz beantwortet

Was ist das Startchancen-Programm?

Das Startchancen-Programm ist ein zehnjähriges Förderprogramm von Bund und Ländern, das seit dem Schuljahr 2024/25 läuft und rund 4.000 Schulen in herausfordernder Lage erreicht – etwa zehn Prozent aller Schülerinnen und Schüler in Deutschland. Mit bis zu 20 Milliarden Euro sollen die Basiskompetenzen der Kinder gestärkt werden. Die Mittel verteilen sich auf drei Säulen: 40 Prozent für die Lernraumgestaltung, 30 Prozent für die pädagogische Schulentwicklung und 30 Prozent für multiprofessionelle Teams.

Wie kann eine Förderklasse konkret aussehen?

Eine Förderklasse ist in der Praxis selten ein fester, separater Raum, sondern meist eine kleine Gruppe von sechs bis neun Kindern, die situativ zusammenkommt. Genau diese Gruppengröße ermöglicht laut Forschung intensivere Gespräche als im normalen Klassenunterricht. Damit das im Schulalltag funktioniert, brauchen Räume die Flexibilität, schnell zwischen Klassenverband, Kleingruppenarbeit und individuellem Rückzug zu wechseln – etwa durch Konzepte wie die sogenannten „Lernwaben", die geschützte Rückzugs- und Arbeitsbereiche direkt im Klassenzimmer schaffen.

Bekommt jede Schule beim Startchancen-Programm das gleiche Budget?

Nein. Die Auswahl der Schulen erfolgt anhand eines Sozialindex, der unter anderem Armutsgefährdung und Migrationsanteil berücksichtigt. Die Höhe des Fördergeldes ist dabei individuell und richtet sich nach Schulgröße und Sozialindex der jeweiligen Schule. Ausgezahlt wird es zudem nicht als Einmalsumme, sondern jährlich über die gesamte zehnjährige Programmlaufzeit.

Wie unterstützt EinrichtWerk Schulen beim Startchancen-Programm?

EinrichtWerk begleitet gemeinsam mit dem pädagogischen Partner eduhu Startchancen-Schulen bei der Umsetzung von Säule I und Säule II aus einer Hand. Während EinrichtWerk flexible Raumkonzepte, CAD-Planung und 3D-Visualisierung für die Lernraumgestaltung übernimmt, unterstützt eduhu dabei, neue Räume und Strukturen wirksam in den pädagogischen Alltag zu integrieren – von der Vor-Ort-Analyse bis zu Fortbildungen mit direkter Anschlussfähigkeit.


Nicht das Möbel ist der Ausgangspunkt, sondern die Nutzung

Ein Tisch, ein Regal oder eine Sitzlandschaft lösen allein noch keine pädagogische Aufgabe. Entscheidend ist, was sie im Zusammenspiel ermöglichen. Kann eine Lehrkraft mit sechs Kindern intensiv arbeiten und wenige Minuten später denselben Bereich für Einzelarbeit nutzen? Kann ein Raum unterschiedliche Zonen erhalten, ohne neue Wände einzuziehen? Finden Kinder sowohl einen Platz für Austausch als auch für konzentriertes Arbeiten oder Rückzug? Und funktioniert dieselbe Fläche vormittags im Unterricht genauso wie am Nachmittag im Ganztag?

Genau solche Fragen sollten am Anfang einer Investitionsentscheidung stehen. Die Verwaltungsvereinbarung liefert dafür einen hilfreichen Rahmen. Sie macht deutlich: Flexibilität ist nicht bloß ein Komfortmerkmal moderner Schulmöbel, sondern ausdrücklich Teil der vorgesehenen Lernumgebung.

Für Schulen bedeutet das: Gute Investitionen erkennt man nicht daran, wie viel Neues im Raum steht, sondern daran, wie viele pädagogische Situationen der Raum anschließend unterstützt.

Kleingruppenarbeit braucht gute Gesprächssituationen

Ein wichtiges Beispiel ist die Förderung in kleinen Gruppen. Dabei geht es nicht nur darum, weniger Kinder an einen Tisch zu setzen. Entscheidend ist, ob ein echter Austausch zwischen Lernenden und Lehrkraft entstehen kann.

Die Mathematikdidaktikerin Prof. Dr. Susanne Prediger, die das Startchancen-Kompetenzzentrum Mathematik leitet, betont die Bedeutung des Gesprächs für bestimmte Lernziele. Gerade beim konzeptuellen Verständnis reicht es nicht immer aus, Aufgaben allein zu bearbeiten. Lehrkräfte müssen nachvollziehen können, wie Kinder denken, wo Verständnislücken liegen und an welcher Stelle Unterstützung notwendig ist.

Kleingruppen bieten dafür besonders intensive Gesprächsmöglichkeiten. Für die Arbeit mit dem Diagnose- und Förderkonzept „Mathe sicher können“ beschreibt Prediger Fördergruppen mit sechs bis neun Kindern. Wichtig ist dabei die wissenschaftliche Einordnung: Nicht die Gruppengröße selbst wurde als Ursache des Lernerfolgs nachgewiesen. Belegt ist die Wirksamkeit des gesamten Förderkonzepts. Für die Raumplanung lässt sich daraus eine praktische Konsequenz ableiten: Wenn Lernen dialogisch organisiert wird, sollte der Raum gute Voraussetzungen für Kommunikation schaffen.

Warum beim Gruppentisch Form und Mobilität entscheidend sind

Für genau diese Gesprächssituationen spielen Tischform und Anordnung eine zentrale Rolle. Die patentierte Winkelkombination des EinrichtWerk Fünfecktisches ist so entwickelt, dass in unterschiedlichen Gruppenkonstellationen bestmögliche Blickwinkel zwischen den Kindern und zur Lehrkraft entstehen. Niemand sitzt dauerhaft seitlich oder mit dem Rücken zur Gruppe. Das schafft gute räumliche Voraussetzungen für Austausch auf Augenhöhe, gemeinsame Aufmerksamkeit und Beteiligung.
Gleichzeitig bleibt das Setting flexibel. Dank seiner integrierten Doppellenkrolle lässt sich der Tisch schnell bewegen und neu positionieren. Mehrere Fünfecktische können zu unterschiedlichen Gruppenformationen zusammengestellt und anschließend wieder getrennt werden. So kann derselbe Bereich innerhalb kurzer Zeit für Kleingruppen-, Partner- oder Einzelarbeit genutzt werden.
Damit greifen Form und Mobilität des Tisches zwei Anforderungen aus der Verwaltungsvereinbarung unmittelbar auf: vielfältige Lernformate und flexibles Mobiliar für modulare, multifunktionale Raumnutzungen.

Einzelarbeit: derselbe Raum, anderes Setting

Förderung bedeutet nicht automatisch Gruppenarbeit. Manche Aufgaben erfordern Ruhe, manche Kinder benötigen zeitweise mehr Abstand und bestimmte Lernschritte lassen sich konzentrierter allein bearbeiten. Auch dafür lässt sich der Fünfecktisch nutzen. Einzeln gestellt bietet er jedem Kind einen klar definierten Arbeitsplatz mit Abstand zu direkten Sitznachbar:innen. Wechselt die Lernform, lässt sich der Tisch dank seiner integrierten Doppellenkrolle schnell bewegen, stapeln oder zu Partner-, Klein- und größeren Gruppenkonstellationen zusammenstellen.

So unterstützt ein Möbel unterschiedliche Sozialformen – und dieselbe Fläche kann im Laufe eines Schultages immer wieder neu genutzt werden.

Genau diese Fähigkeit zur Mehrfachnutzung ist für viele Schulen entscheidend. Nicht jeder Standort verfügt über zusätzliche Differenzierungsräume. Umso wichtiger ist es, vorhandene Flächen so auszustatten, dass unterschiedliche Lernsettings innerhalb eines Raumes möglich werden.

Zonierung: Struktur schaffen, ohne Räume festzulegen

Die Verwaltungsvereinbarung nennt ausdrücklich auch altersgerechte Zonierung sowie klare räumliche Strukturen und Wegeführungen. Für Bestandsgebäude ist dieser Punkt besonders interessant, denn dafür sind nicht automatisch bauliche Trennwände notwendig. Ein Regal kann beispielsweise gleichzeitig Stauraum und Raumteiler sein. Dadurch entstehen erkennbare Bereiche für unterschiedliche Nutzungen: Hier arbeitet eine Gruppe, dort befinden sich Einzelarbeitsplätze und an anderer Stelle beginnt ein ruhigerer Bereich. Das hilft nicht nur bei der Organisation. Eine verständliche räumliche Gliederung macht auch für Kinder sichtbar, welche Lernform an welchem Ort möglich ist.

Genau dieser Gedanke findet sich auch in der Praxis guter Schulen. Die Grundschule am Dichterviertel in Mülheim an der Ruhr, Preisträgerin des Deutschen Schulpreises 2023, arbeitet beispielsweise mit unterschiedlichen Lernbereichen. Schulleiterin Nicola Küppers bringt den Ansatz auf einen einfachen Nenner: Nicht jedes Kind benötigt zu jedem Zeitpunkt einen eigenen Tisch und Stuhl – unterschiedliche Lernhandlungen brauchen unterschiedliche Plätze.

Besonders wichtig ist dabei ein weiterer Gedanke von Küppers: Man kann nicht einfach Möbel verändern oder entfernen, ohne vorher das pädagogische Konzept zu klären. Genau das ist die richtige Brücke zwischen Raumplanung und Schulentwicklung.

Rückzug ist kein Nebenthema der Förderung

Auch Erholungs- und Rückzugsbereiche werden in der Verwaltungsvereinbarung zu Säule I ausdrücklich als mögliches Investitionsfeld genannt. Das ist relevant, weil ein zeitgemäßer Lernraum nicht ausschließlich aus Arbeitsplätzen bestehen sollte. Kinder verbringen viele Stunden gemeinsam in Schule und Ganztag. Je nach Aufgabe und persönlichem Bedürfnis kann es deshalb sinnvoll sein, sich zeitweise aus dem Gruppengeschehen zurückziehen zu können – für ruhige Einzelarbeit, zum Lesen, für ein Gespräch oder einfach für eine kurze Pause.

Modulare Lounge-Elemente und Bodenmatten können solche Bereiche innerhalb bestehender Räume schaffen. In Kombination mit Raumteilern entstehen klar erkennbare Rückzugszonen, ohne dass dafür zwingend ein eigener Raum vorhanden sein muss.

Auch hier gilt das Prinzip der Mehrfachnutzung: Eine Lounge kann Rückzugsort, Lernplatz und Gesprächsbereich zugleich sein.

Säule I und Säule II zusammendenken

Die Frage nach dem Raum endet allerdings nicht beim Mobiliar. Ein flexibles Lernumfeld entfaltet nur dann seine Wirkung, wenn klar ist, wie es im Schulalltag genutzt werden soll. Umgekehrt stößt ein differenziertes pädagogisches Konzept schnell an Grenzen, wenn die räumliche Umgebung nur eine einzige Unterrichtsform zulässt.

Diese Verbindung ist bereits in der Struktur des Startchancen-Programms von Bund und Ländern angelegt: Säule I adressiert die zeitgemäße und förderliche Lernumgebung, Säule II die Schul- und Unterrichtsentwicklung.

Genau hier ergänzt sich die Zusammenarbeit von EinrichtWerk und eduhu. EinrichtWerk betrachtet die räumliche Seite: Wie können Flächen zoniert werden? Welche Lernsettings müssen möglich sein? Welche Möbel können mehrere Funktionen übernehmen? Mit Vor-Ort-Beratung, CAD-Planung und 3D-Visualisierung lässt sich bereits vor der Umsetzung prüfen, ob das Konzept im vorhandenen Raum funktioniert.

eduhu begleitet parallel die pädagogische Schul- und Unterrichtsentwicklung. Damit lässt sich zunächst klären, welche Lern- und Förderprozesse die Schule stärken möchte – und anschließend, wie der Raum diese Prozesse unterstützen kann.

Erst die pädagogische Aufgabe, dann das Raumkonzept.

Was bedeutet das für die Planung mit Säule-I-Mitteln?

Wer Investitionsmittel aus Säule I für die Lernumgebung einsetzen möchte, sollte deshalb nicht mit einem Möbelkatalog starten, sondern mit dem Schulalltag. Hilfreich sind zum Beispiel diese Fragen:

  • Welche Unterrichts- und Förderformate sollen künftig häufiger stattfinden?
  • Wie schnell muss zwischen Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit gewechselt werden können?
  • Wo entstehen Bereiche für konzentriertes Arbeiten?
  • Wo können Kinder sich zurückziehen?
  • Wie lassen sich vorhandene Flächen zonieren?
  • Welche Möbel können mehrere dieser Funktionen gleichzeitig übernehmen?

Aus diesen Antworten entsteht ein Raumkonzept, das sich nicht an einer bestimmten Sitzordnung orientiert, sondern an den tatsächlichen Anforderungen der Schule.

Fazit: Die Verwaltungsvereinbarung gibt die Richtung bereits vor

Altersgerechte Zonierung. Vielfältige Lernformate. Individuelle Arbeitsplatzlösungen. Rückzugs- und Erholungsbereiche. Flexibles Mobiliar für modulare und multifunktionale Raumnutzungen. Die Verwaltungsvereinbarung zu Säule I beschreibt ziemlich genau, was zeitgemäße Lernräume leisten sollen.

Für Startchancen-Schulen liegt darin die Chance, Investitionsmittel nicht einfach für neue Ausstattung einzusetzen, sondern bestehende Räume langfristig funktionaler zu machen: für mehr Differenzierung, mehr Austausch, konzentrierte Einzelarbeit und flexible Wechsel zwischen unterschiedlichen Lernformen.

EinrichtWerk übersetzt diese Anforderungen in konkrete Raumkonzepte – vom mobilen Fünfecktisch über Zonierungslösungen bis zu Rückzugsbereichen. Dabei geht es nicht darum, möglichst viel Mobiliar in einem Raum unterzubringen.

Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Wie viel Lernen wird durch diesen Raum möglich?

Ihre Startchancen-Räume konkret planen

Sie möchten wissen, wie sich die Anforderungen aus Säule I in Ihren vorhandenen Räumen sinnvoll umsetzen lassen? Wir schauen gemeinsam auf Ihre Flächen, Ihre pädagogischen Ziele und die Anforderungen Ihres Schulalltags und entwickeln daraus ein Raumkonzept, das flexibel nutzbar und langfristig tragfähig ist.

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Quellen

  • Bund und Länder: Verwaltungsvereinbarung zur Umsetzung der Säule I des Startchancen-Programms.
  • Deutsches Schulportal: „Förderung in Kleingruppen – sehr effektiv, aber kaum verbreitet.“ Interview mit Prof. Dr. Susanne Prediger.
  • DZLM / „Mathe sicher können“: Wirksamkeitsnachweis auf Lernenden-Ebene.
  • Deutsches Schulportal: „Nicht jedes Kind braucht einen Tisch und einen Stuhl!“ Interview mit Nicola Küppers, Grundschule am Dichterviertel


Nicht das Möbel ist der Ausgangspunkt, sondern die Nutzung

Ein Tisch, ein Regal oder eine Sitzlandschaft lösen allein noch keine pädagogische Aufgabe. Entscheidend ist, was sie im Zusammenspiel ermöglichen. Kann eine Lehrkraft mit sechs Kindern intensiv arbeiten und wenige Minuten später denselben Bereich für Einzelarbeit nutzen? Kann ein Raum unterschiedliche Zonen erhalten, ohne neue Wände einzuziehen? Finden Kinder sowohl einen Platz für Austausch als auch für konzentriertes Arbeiten oder Rückzug? Und funktioniert dieselbe Fläche vormittags im Unterricht genauso wie am Nachmittag im Ganztag? Genau solche Fragen sollten am Anfang einer Investitionsentscheidung stehen. Die Verwaltungsvereinbarung liefert dafür einen hilfreichen Rahmen. Sie macht deutlich: Flexibilität ist nicht bloß ein Komfortmerkmal moderner Schulmöbel, sondern ausdrücklich Teil der vorgesehenen Lernumgebung.

Für Schulen bedeutet das: Gute Investitionen erkennt man nicht daran, wie viel Neues im Raum steht, sondern daran, wie viele pädagogische Situationen der Raum anschließend unterstützt.

Warum beim Gruppentisch Form und Mobilität entscheidend sind

Für genau diese Gesprächssituationen spielen Tischform und Anordnung eine zentrale Rolle. Die patentierte Winkelkombination des EinrichtWerk Fünfecktisches ist so entwickelt, dass in unterschiedlichen Gruppenkonstellationen bestmögliche Blickwinkel zwischen den Kindern und zur Lehrkraft entstehen. Niemand sitzt dauerhaft seitlich oder mit dem Rücken zur Gruppe. Das schafft gute räumliche Voraussetzungen für Austausch auf Augenhöhe, gemeinsame Aufmerksamkeit und Beteiligung. Gleichzeitig bleibt das Setting flexibel. Dank seiner integrierten Doppellenkrolle lässt sich der Tisch schnell bewegen und neu positionieren. Mehrere Fünfecktische können zu unterschiedlichen Gruppenformationen zusammengestellt und anschließend wieder getrennt werden. So kann derselbe Bereich innerhalb kurzer Zeit für Kleingruppen-, Partner- oder Einzelarbeit genutzt werden.

Damit greifen Form und Mobilität des Tisches zwei Anforderungen aus der Verwaltungsvereinbarung unmittelbar auf: vielfältige Lernformate und flexibles Mobiliar für modulare, multifunktionale Raumnutzungen.

Kleingruppenarbeit braucht gute Gesprächssituationen

Ein wichtiges Beispiel ist die Förderung in kleinen Gruppen. Dabei geht es nicht nur darum, weniger Kinder an einen Tisch zu setzen. Entscheidend ist, ob ein echter Austausch zwischen Lernenden und Lehrkraft entstehen kann.
Die Mathematikdidaktikerin Prof. Dr. Susanne Prediger, die das Startchancen-Kompetenzzentrum Mathematik leitet, betont die Bedeutung des Gesprächs für bestimmte Lernziele. Gerade beim konzeptuellen Verständnis reicht es nicht immer aus, Aufgaben allein zu bearbeiten. Lehrkräfte müssen nachvollziehen können, wie Kinder denken, wo Verständnislücken liegen und an welcher Stelle Unterstützung notwendig ist.
Kleingruppen bieten dafür besonders intensive Gesprächsmöglichkeiten. Für die Arbeit mit dem Diagnose- und Förderkonzept „Mathe sicher können“ beschreibt Prediger Fördergruppen mit sechs bis neun Kindern. Wichtig ist dabei die wissenschaftliche Einordnung: Nicht die Gruppengröße selbst wurde als Ursache des Lernerfolgs nachgewiesen. Belegt ist die Wirksamkeit des gesamten Förderkonzepts.
Für die Raumplanung lässt sich daraus eine praktische Konsequenz ableiten: Wenn Lernen dialogisch organisiert wird, sollte der Raum gute Voraussetzungen für Kommunikation schaffen.



Einzelarbeit: derselbe Raum, anderes Setting

Förderung bedeutet nicht automatisch Gruppenarbeit. Manche Aufgaben erfordern Ruhe, manche Kinder benötigen zeitweise mehr Abstand und bestimmte Lernschritte lassen sich konzentrierter allein bearbeiten. Auch dafür lässt sich der Fünfecktisch nutzen. Einzeln gestellt bietet er jedem Kind einen klar definierten Arbeitsplatz mit Abstand zu direkten Sitznachbar:innen. Wechselt die Lernform, lässt sich der Tisch dank seiner integrierten Doppellenkrolle schnell bewegen, stapeln oder zu Partner-, Klein- und größeren Gruppenkonstellationen zusammenstellen.
So unterstützt ein Möbel unterschiedliche Sozialformen – und dieselbe Fläche kann im Laufe eines Schultages immer wieder neu genutzt werden.
Genau diese Fähigkeit zur Mehrfachnutzung ist für viele Schulen entscheidend. Nicht jeder Standort verfügt über zusätzliche Differenzierungsräume. Umso wichtiger ist es, vorhandene Flächen so auszustatten, dass unterschiedliche Lernsettings innerhalb eines Raumes möglich werden.

Zonierung: Struktur schaffen, ohne Räume festzulegen

Die Verwaltungsvereinbarung nennt ausdrücklich auch altersgerechte Zonierung sowie klare räumliche Strukturen und Wegeführungen. Für Bestandsgebäude ist dieser Punkt besonders interessant, denn dafür sind nicht automatisch bauliche Trennwände notwendig.
Ein Regal kann beispielsweise gleichzeitig Stauraum und Raumteiler sein. Dadurch entstehen erkennbare Bereiche für unterschiedliche Nutzungen: Hier arbeitet eine Gruppe, dort befinden sich Einzelarbeitsplätze und an anderer Stelle beginnt ein ruhigerer Bereich.
Das hilft nicht nur bei der Organisation. Eine verständliche räumliche Gliederung macht auch für Kinder sichtbar, welche Lernform an welchem Ort möglich ist.
Genau dieser Gedanke findet sich auch in der Praxis guter Schulen. Die Grundschule am Dichterviertel in Mülheim an der Ruhr, Preisträgerin des Deutschen Schulpreises 2023, arbeitet beispielsweise mit unterschiedlichen Lernbereichen. Schulleiterin Nicola Küppers bringt den Ansatz auf einen einfachen Nenner: Nicht jedes Kind benötigt zu jedem Zeitpunkt einen eigenen Tisch und Stuhl – unterschiedliche Lernhandlungen brauchen unterschiedliche Plätze.

Besonders wichtig ist dabei ein weiterer Gedanke von Küppers: Man kann nicht einfach Möbel verändern oder entfernen, ohne vorher das pädagogische Konzept zu klären. Genau das ist die richtige Brücke zwischen Raumplanung und Schulentwicklung.

Rückzug ist kein Nebenthema der Förderung

Auch Erholungs- und Rückzugsbereiche werden in der Verwaltungsvereinbarung zu Säule I ausdrücklich als mögliches Investitionsfeld genannt.
Das ist relevant, weil ein zeitgemäßer Lernraum nicht ausschließlich aus Arbeitsplätzen bestehen sollte. Kinder verbringen viele Stunden gemeinsam in Schule und Ganztag. Je nach Aufgabe und persönlichem Bedürfnis kann es deshalb sinnvoll sein, sich zeitweise aus dem Gruppengeschehen zurückziehen zu können – für ruhige Einzelarbeit, zum Lesen, für ein Gespräch oder einfach für eine kurze Pause. Modulare Lounge-Elemente und Bodenmatten können solche Bereiche innerhalb bestehender Räume schaffen. In Kombination mit Raumteilern entstehen klar erkennbare Rückzugszonen, ohne dass dafür zwingend ein eigener Raum vorhanden sein muss.
Auch hier gilt das Prinzip der Mehrfachnutzung: Eine Lounge kann Rückzugsort, Lernplatz und Gesprächsbereich zugleich sein.

Säule I und Säule II zusammendenken

Die Frage nach dem Raum endet allerdings nicht beim Mobiliar. Ein flexibles Lernumfeld entfaltet nur dann seine Wirkung, wenn klar ist, wie es im Schulalltag genutzt werden soll. Umgekehrt stößt ein differenziertes pädagogisches Konzept schnell an Grenzen, wenn die räumliche Umgebung nur eine einzige Unterrichtsform zulässt.
Diese Verbindung ist bereits in der Struktur des Startchancen-Programms von Bund und Ländern angelegt: Säule I adressiert die zeitgemäße und förderliche Lernumgebung, Säule II die Schul- und Unterrichtsentwicklung.

Genau hier ergänzt sich die Zusammenarbeit von EinrichtWerk und eduhu. EinrichtWerk betrachtet die räumliche Seite: Wie können Flächen zoniert werden? Welche Lernsettings müssen möglich sein? Welche Möbel können mehrere Funktionen übernehmen? Mit Vor-Ort-Beratung, CAD-Planung und 3D-Visualisierung lässt sich bereits vor der Umsetzung prüfen, ob das Konzept im vorhandenen Raum funktioniert.
eduhu begleitet parallel die pädagogische Schul- und Unterrichtsentwicklung. Damit lässt sich zunächst klären, welche Lern- und Förderprozesse die Schule stärken möchte – und anschließend, wie der Raum diese Prozesse unterstützen kann.

Erst die pädagogische Aufgabe, dann das Raumkonzept.

Was bedeutet das für die Planung mit Säule-I-Mitteln?

Wer Investitionsmittel aus Säule I für die Lernumgebung einsetzen möchte, sollte deshalb nicht mit einem Möbelkatalog starten, sondern mit dem Schulalltag. Hilfreich sind zum Beispiel diese Fragen:

  • Welche Unterrichts- und Förderformate sollen künftig häufiger stattfinden?
  • Wie schnell muss zwischen Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit gewechselt werden können?
  • Wo entstehen Bereiche für konzentriertes Arbeiten?
  • Wo können Kinder sich zurückziehen?
  • Wie lassen sich vorhandene Flächen zonieren?
  • Welche Möbel können mehrere dieser Funktionen gleichzeitig übernehmen?

Aus diesen Antworten entsteht ein Raumkonzept, das sich nicht an einer bestimmten Sitzordnung orientiert, sondern an den tatsächlichen Anforderungen der Schule.

Fazit: Die Verwaltungsvereinbarung gibt die Richtung bereits vor

Altersgerechte Zonierung. Vielfältige Lernformate. Individuelle Arbeitsplatzlösungen. Rückzugs- und Erholungsbereiche. Flexibles Mobiliar für modulare und multifunktionale Raumnutzungen.
Die Verwaltungsvereinbarung zu Säule I beschreibt ziemlich genau, was zeitgemäße Lernräume leisten sollen.
Für Startchancen-Schulen liegt darin die Chance, Investitionsmittel nicht einfach für neue Ausstattung einzusetzen, sondern bestehende Räume langfristig funktionaler zu machen: für mehr Differenzierung, mehr Austausch, konzentrierte Einzelarbeit und flexible Wechsel zwischen unterschiedlichen Lernformen.

EinrichtWerk übersetzt diese Anforderungen in konkrete Raumkonzepte – vom mobilen Fünfecktisch über Zonierungslösungen bis zu Rückzugsbereichen. Dabei geht es nicht darum, möglichst viel Mobiliar in einem Raum unterzubringen.
Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Wie viel Lernen wird durch diesen Raum möglich?

Ihre Startchancen-Räume konkret planen

Sie möchten wissen, wie sich die Anforderungen aus Säule I in Ihren vorhandenen Räumen sinnvoll umsetzen lassen? Wir schauen gemeinsam auf Ihre Flächen, Ihre pädagogischen Ziele und die Anforderungen Ihres Schulalltags und entwickeln daraus ein Raumkonzept, das flexibel nutzbar und langfristig tragfähig ist.

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Quellen

  • Bund und Länder: Verwaltungsvereinbarung zur Umsetzung der Säule I des Startchancen-Programms.
  • Deutsches Schulportal: „Förderung in Kleingruppen – sehr effektiv, aber kaum verbreitet.“ Interview mit Prof. Dr. Susanne Prediger.
  • DZLM / „Mathe sicher können“: Wirksamkeitsnachweis auf Lernenden-Ebene.
  • Deutsches Schulportal: „Nicht jedes Kind braucht einen Tisch und einen Stuhl!“ Interview mit Nicola Küppers, Grundschule am Dichterviertel.

Über die Autorin

Sara Heinrich:
Referentin der Geschäftsführung & Leitung Marketing bei EinrichtWerk

Sara Heinrich beschäftigt sich bei EinrichtWerk mit Lernraumgestaltung und Konzeptentwicklung für Schulen sowie mit der Kommunikation mit unterschiedlichen Akteuren im Bildungsbereich. Seit 2021 ist sie für EinrichtWerk tätig, seit 2024 als Referentin der Geschäftsführung und Leitung Marketing. In ihrer Arbeit verbindet sie Themen moderner Schulraumgestaltung mit den Anforderungen von Schulen, Planenden und weiteren Beteiligten im Bildungsbereich.

Schwerpunkte: Lernraumgestaltung · Schulraumkonzepte · Ganztag · Kommunikation im Bildungsbereich.

3 Faktoren, auf die es ankommt


1. Multifunktionale Räume und Möbel

Besonders in Bestandsgebäuden spielt die Mehrfachnutzung eine Schlüsselrolle. Flexible Möbel ermöglichen es Lehrkräften, Lernsettings schnell zu verändern – vom Frontalunterricht zur Kleingruppenarbeit, vom Lernraum zum Spielbereich.

Ausschlaggebend ist dabei nicht eine maximale Ausstattung, sondern bewusste Reduktion auf das Wesentliche. Ein Klassenraum kann mehrere Funktionen übernehmen, wenn er nicht dauerhaft für eine einzige Nutzung festgeschrieben ist – und macht zusätzliche Räume damit oft überflüssig.



2. Rückzugs- und Differenzierungsorte

Je länger der Schultag dauert, desto wichtiger werden Räume, in denen Kinder zur Ruhe kommen können. Rückzugsräume sind kein Luxus, sondern eine pädagogische Notwendigkeit – besonders für jüngere und neurodiverse Kinder, die Stressregulation und Selbststeuerung aktiv üben müssen.

Solche Orte müssen nicht groß sein: Nischen, abgetrennte Bereiche im Klassenraum oder bewusst gestaltete Zonen in Fluren reichen oft aus. Entscheidend ist, dass sie verlässlich nutzbar sind und nicht ständig umfunktioniert werden.



3. Aufenthaltsqualität – drinnen und draußen

Aufenthaltsqualität entsteht nicht durch aufwendige Ausstattung, sondern durch bewusste Gestaltung: Licht, Akustik, übersichtliche Räume und klare Zonen für Aktivität und Ruhe beeinflussen, ob Kinder eine Schule als einladend wahrnehmen.

Schulhöfe, Freiflächen und außerschulische Lernorte wie Bibliotheken oder Sportstätten können den Ganztag sinnvoll erweitern – wenn Schulen Innen- und Außenräume zusammendenken. Gute Ganztagsräume müssen nicht neu gebaut werden. Die Qualität entscheidet sich weniger an Quadratmetern als an Haltung, Planung und Gestaltung.


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